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Zweiohrküken – es bleibt beim Versuch
Man kann es ihm nicht verdenken – nach über 6 Millionen Besuchern würde wohl jeder über Keinohrhasen 2 nachdenken. Nach dem Megaerfolg von 2007 bringt Teil Schweiger nun den kleinen Bruder Zweiohrküken in die deutschen Kinos – viel mehr als ein plumper Abklatsch des bewährten Gewinnprinzips ist dabei leider nicht gelungen.
Das gleiche Filmplakat, ein fast eins zu eins abgekupferter Trailer – Zweiohrküken startet schon mit einem dicken Wiederholungsproblem, das sich bedauerlicherweise wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Trotzdem ist das Sequel über weite Strecken durchaus amüsant und sympathisch, weist aber einfach nicht den gewinnenden Charme des Vorgängers auf und bleibt deshalb letztendlich hinter der Qualität des Originals zurück.
Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Klatschreporter Ludo (Til Schweiger) seinem Herz gefolgt ist und neben seiner Freundin Anna (Nora Tschirner) in einem Kindergarten engagiert wurde. Mittlerweile ist der Alltag in ihrem Leben als Paar eingezogen, mit all den kleinen Streitereien und Auseinandersetzungen, die das Zusammenleben so mit sich bringt – bis plötzlich Ludos Ex Marie (Edita Malovcic) auftaucht und Annas Eifersuchts-Alarmglocken hektisch schrillen. Macho Ludo zeigt dafür gar kein Verständnis, hat er sich doch für Anna ganz der Monogamie verschrieben. Erst als mit Entwicklungshelfer und Frauenversteher Ralf (Ken Duken) auch ein Verflossener Annas in ihr Leben tritt, wendet sich das Blatt…
Der Fortsetzung von Annas und Ludos Geschichte widmete sich erneut das bewährte Erfolgsteam aus Keinohrhasen – Schweiger verfasste das Drehbuch wieder mit Anika Decker -, inhaltlich musste allerdings ein neuer Weg gefunden werden. Es hat nämlich durchaus seine Gründe, warum erfolgreiche Romantikkomödien normalerweise nicht fortgesetzt werden (Pretty Woman 2? Dass ich nicht lache!) – was passiert, wenn sich Harry und Sally, Vivian und Edward, Jack und Rose bekommen haben? Alltag! Und der ist – wie das Wort schon impliziert – potenziell langweilig.
Produzent, Regisseur und Protagonist in Personalunion Schweiger versucht tapfer gegen dieses Gesetz anzukämpfen, allerdings mit sehr wechselhaftem Erfolg. Stilistisch orientiert er sich zu stark an Keinohrhasen, dessen Fußstapfen für Zweiohrküken viel zu groß und unausfüllbar scheinen – dem Vergleich kann aber wohl so schnell kein Film standhalten.
Trotzallem hat Zweiohrküken seine liebens- und sehenswerten Momente – besonders dann, wenn die geschlechtsspezifischen Macken von Anna und Ludo in überspitzter Form im Vordergrund stehen – damit kann sich jeder Zuschauer identifizieren. Leider schweift Schweiger auch hier deutlich zu oft in den Bereich des Fäkal- und Zotenhumors ab, was ab einem gewissen Grad eher ermüdend als erheiternd wirkt. Zudem wirken besonders die Nebenfiguren Marie und Ralf enttäuschend plakativ und klischeehaft, worunter die gesamte Glaubwürdigkeit schwer leidet – Vorhersehbarkeit kann man einem Liebesfilm wie diesem nicht zum Vorwurf machen, aber doch bitte nicht mit dem Vorschlaghammer! Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen.
Til Schweigers Paraderolle des arroganten, aber charmanten Macho-Männchens tritt diesmal in der Light-Version auf, um Ludos Läuterung zum Vorzeige-Freund glaubhaft zu demonstrieren – das mindert aber gleichzeitig seinen Unterhaltungswert, denn Schweigers Schauspieltalent stößt bekanntlich schon bei kleinsten Changierungen an seine Grenzen.
Die generell fantastische Nora Tschirner gibt sich redlich Mühe, gegen dieses Manko anzuspielen und sprüht stellenweise nur so vor Esprit und Charme, wenn nicht gerade die garstig-verbitterte Anna überwiegt. Matthias Schweighöfers Rolle des Reporter-Kollegen Moritz agiert in Zweiohrküken komplett losgelöst vom eigentlichen Plot, was der Freude allerdings keinen Abbruch tut. Schweighöfer avanciert zum heimlichen Publikumsliebling, indem er mit absoluter Hingabe und Überzeugungskraft den Loser gibt und so für die größten Lacher des Films sorgt. Seine unnachahmlich charmant-liebenswerte Art ist es, die Zweiohrküken in viel zu seltenen Momenten das Herz des Publikums berühren lässt – hier wurde leider viel Potenzial verschwendet, denn dass Schweighöfer mehr kann, als Jokes unter der Gürtellinie zu landen, durfte er in Keinohrhasen zeigen. Schade auch, dass seine Schauspielkollegin Alwara Höfels als Kindergärtnerin Miriam diesmal nicht mit von der Partie ist.
Dafür setzt Schweiger erneut auf zahlreiche Gast-Stars wie Yvonne Catterfeld, Wladimir Klitschko, Uwe Ochsenknecht oder Heiner Lauterbach, doch deren Auftritte wirken eher willkürlich eingestreut und zum Teil einfach deplatziert – auch hier reicht es nicht an die Klasse von Keinohrhasen heran.
Dass all diese Negativ-Punkte den Film nicht zum Fiasko werden lassen, ist zum einem der Verdienst des fantastischen Soundtracks, der von vorne bis hinten überzeugen kann und zu Recht als einer der besten des Jahres gehandelt wird, zum anderem aber auch der Atmosphäre des Drehorts Berlin, die durch die hervorragende Kameraführung erzeugt wird. Stimmungsvolle Farben, perfekt eingesetztes Licht und eine durch und durch heimelige Kulisse wie aus dem Möbel-Katalog sorgen für ein Gefühl des Zuhause-Seins, der Gemütlichkeit – dazu die glänzend abgestimmte musikalische Ohrwurm-Untermalung von Keri Hilson, One Republic und Paul van Dyk… eigentlich das Rezept für einen Winter-Kassenschlager.
Fazit: Zweiohrküken ist der mittelmäßige, überlange Versuch, an den Erfolg seines Vorgängers anzuknüpfen, dessen Witz, Charme und Identifikationspotenzial aber in keiner Hinsicht erreicht wird. Wirklich langweilig wird es trotzdem nicht, was sich vor allem Nora Tschirner und der göttliche Matthias Schweighöfer auf die Fahne schreiben dürfen. Was bleibt, ist der schale Nachgeschmack der Wiederholung.
- Franziska Strothe -



