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Feuchtgebiete im Kino – Brechreiz im Großformat?
Prädikat: ekelerregend. Sie hat Fäkal-Literatur salonfähig gemacht und wagt jetzt den Sprung auf die große Leinwand – die Verfilmung von Charlotte Roches Erstlingswerk „Feuchtgebiete“ bietet erneut jede Menge Stoff für moralisch fragwürdige Diskussionen und Debatten über Vaginal-Sekrete.
Seien wir mal ehrlich – gelesen haben wir es doch alle! Es lässt tief blicken, in wessen Regal sich der pinkfarbene Buchrücken so alles findet. Im Land der Dichter und Denker stand der Roman 2008 monatelang auf Platz 1 der Bestsellerlisten – auch das lässt tief blicken, kann aber als perfektes Alibi für die Anschaffung benutzt werden. Literarisch wertvoll, sozusagen.
Unverblümt und ungeniert, wortgewandt und witzig bekommt der Leser hier eine Geschmacks- und Geruchslektüre, die ihresgleichen sucht. Ob Menstruationsblut, Analfissuren und Masturbationspraktiken auf der Kinoleinwand genauso gut ankommen, bleibt allerdings abzuwarten. Es gibt eben doch Dinge, die man sich lieber ganz allein bei geschlossener Zimmertür vorstellt, als sie mit 99 anderen Kinobesuchern im Großformat zu teilen – peinlich berührtes Kichern inklusive. Schon das dazugehörige Hörbuch balanciert auf der Schwelle der Geschmacks-Überschreitung, denn auch vorgelesen treiben einem die pikanten Ausschmückungen die Schamesröte ins Gesicht.
Es gibt also definitiv besser geeignete Romanvorlagen für eine Kino-Adaption. Trotzdem sollte man den Faktor Neugier nicht unterschätzen – warum sonst avancierte „Feuchtgebiete“ zum meistverkauften Buch 2008? Und wenn auch nur die Hälfte aller Leser den Gang in den Kinosaal wagt, dürften die Kassen klingeln. Polarisieren wird der Stoff in jedem Fall.
Viel spannender und spektakulärer gestaltet sich aber wahrscheinlich die öffentliche Diskussion, die – wie auch schon die Erscheinung des Romans – erneut die Nation spalten wird. Diesmal allerdings zu der Frage, ob man sich jetzt schon von Ekel-Szenen im Großformat berieseln lassen muss. Noch interessanter und auschlaggebender für die filmische Umsetzung dürfte nur die angepeilte Altersfreigabe werden, denn FSK 12 würde der literarischen Ausgangsposition kaum gerecht werden.
Wir dürfen uns also genauso ent- wie gespannt zurücklehnen und der Dinge harren, die da kommen mögen.
Danke, Charlotte.
- Franziska Strothe -

