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Speed Dating auf New Yorker Art

- New York lebt seine eigenen Liebes-Regeln vor.
New Yorker sind Ego-Menschen und das müssen sie wahrscheinlich auch sein, um im Großstadtdschungel zu überleben. In einem Drittel aller Wohnungen leben Singles. Diese New Yorker Majorität datet nach eigenen Regeln: 1. Kuss beim ersten Date, 2. Sex nach dem dritten Date und 3. Monogamie erst nach ein paar Monaten.
Denn es wird in New York solange weitergedatet, bis man nach ein paar Monaten offiziell beschließt nur noch exklusiv zu einem Partner zu gehören. Wer sich nicht an diese Regel hält, gilt als Loser. Damit ist Liebeskummer schon vorprogrammiert. Liebesratgeber finden sich in New Yorker Buchhandlungen fast genauso viele wie Bücher zur amerikanischen Geschichte. New York hat schon seit Jahrhunderten den Ruf als „Stadt der einsamen Herzen“ weg. Der berühmte Schriftsteller Mark Twain (1835-1910), bekannt durch die Abenteuergeschichten des Huckleberry Finn, verbrachte viel Zeit in der öffentlichen Bibliothek von New York, allerdings nicht um sich dort Datingtipps einzuholen. Dennoch bezeichnete er New York als „eine prachtvolle Wüste – eine von Kuppeln und Türmen überdachte Verlassenheit, wo der Fremde inmitten von Millionen Gattungsangehörigen doch allein bleibt“.
Wer selbst einmal in New York gewesen ist und einen Blick auf die durch die Straßen hastenden Einwohner wirft, findet darunter selten Paare. Meistens sind es Touristen. Warum bevorzugen viele New Yorker einen Starbucks in der Hand statt Hand in Hand zu gehen? Die einfachste Art schnell neue Menschen kennenzulernen, ist Speed Dating. Das Speed Dating Konzept ist hier nichts Neues. Speed Dating läuft in New York wie ein Massenbewerbungsgespräch ab. Jedes Gespräch dauert wenige Minuten, nach jedem Gong wandern die Männer zum nächsten Tisch und damit nächsten Termin: „Nice to meet you“.
Die Mietpreise in New York sind hoch und neben der vielen Arbeit bleibt nicht mehr viel Raum für die Liebe, doch in Wirklichkeit möchte niemand allein Zuhause sitzen. Ganz so schlimm kann Liebeskummer in New York nicht sein. In diesem Stadtstaat leben zwar die meisten Singles, dennoch hat New York die drittniedrigste Selbstmordrate in den USA. Auf dem Times Square tobt das Leben. Isoliert lebt man hier nicht gerade, auch wenn es eher schwache Kontakte sind.
Familien leben drüben in New Jersey in Einfamilienhäusern, in New York ist es völlig okay Single zu sein. Eric Klingenberg lehrt Soziologie an der New York University und schreibt gerade an einem Buch mit dem Titel „Allein in Amerika“. Unter den 200 befragten Singles sind allein schon 160 aus New York. „Wir müssen uns der Frage stellen, warum es Menschen gibt, die sich in anderen Lebensphasen bewusst dafür entscheiden allein zu sein“, fragt sich Klingenberg. New York ist nicht nur die Stadt der Singles, sondern auch der Exzentriker. Auf craigslist, einem Internetmarktplatz für Kontaktanzeigen sieht man, dass fast alle New Yorker auf der Suche nach einer Romanze sind. Eine ersthafte Beziehung ist da eher die Ausnahme. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Auswahl einfach zu groß ist, um sich festzulegen. Man sieht gewissermaßen vor lauter Wald den Baum nicht mehr.
- Yvonne Förster -
