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Zusammen ist man weniger allein (Teil 1)
Bis hierhin habt Ihr es geschafft – Egomanie und Beziehungsunfähigkeit zum Trotz habt Ihr durchgehalten, erste Krisen und Probleme gemeistert, nicht aufgegeben. Glückwunsch, das gelingt nicht jedem! Ihr seid bereit für den nächsten Schritt. Klammheimlich manifestiert sich die Frage, der Wunsch, die Hoffnung in Eurem Bauch – kann es klappen? Ist es der richtige Zeitpunkt? Kennen wir uns gut genug?
Sobald bei einem Paar die Überlegung einer gemeinsamen Wohnung aufkeimt, kriechen ungeahnte Ängste, Zweifel und Skepsis ans Tageslicht. Zu Recht, denn für die meisten ist es ein Sprung in kalte und noch dazu unbekannte Gewässer – und was ist, wenn ich doch nicht schwimmen kann?
Ich sage es lieber direkt: Es gibt nicht auf alle Fragen eine Antwort! Egal wieviel man im Vorfeld bespricht, regelt und bestimmt – Try and Error ist das Stichwort. Es kommt eben doch immer anders als man denkt und das ist auch gut so!
Aber Ihr habt es Euch gründlich überlegt: Zwei Wohnungen kosten viel und nützen wenig, wenn man sowieso fast jede Nacht miteinander verbringt. Immer zwei Tage im Voraus planen, damit man genügend und vor allem die richtigen Klamotten einpackt, funktioniert selten und dann liegt das entscheidende Handy-Ladegerät natürlich doch in der anderen Wohnung. Und diese ewigen „wann ist wer bei wem“-Verabredungen müssen ein Ende haben!
Das sind alles sehr gute Gründe, um sich an den Gedanken des gemeinsamen Heims zu wagen – aber bei weitem nicht die entscheidenden. Lasst die Fakten Fakten sein! Ihr baut Euch ein eigenes Nest, ein gemeinsames Zuhause! My home is my castle und da hat das Herz ein gewaltiges Wörtchen mitzureden. Und wenn ebendieses bei dem Gedanken daran keine Purzelbäume schlägt, dann lasst es lieber bleiben. Zusammenziehen kann so praktisch klingen wie es will – das Herz muss es mehr wollen als alles andere.
Falls das Herz „Ja!“ schreit und der Kopf wohlüberlegt zustimmt – an dieser Stelle nochmal Glückwunsch! -, meldet sich oft trotzdem der Bauch mit zweifelnden Fragen. Nein, ausschließen kann man nichts und ja, es können tausend Dinge schiefgehen. Niemand besteht nur aus Schokoladenseiten und so sehr man sich auch bemüht, irgendwann blättert die perfekte Fassade an einigen Stellen ab – darunter kommt das echte Leben zum Vorschein, das die rosa Brille bis dato nicht erkannt haben mag. Ja, das wird passieren, ganz sicher sogar! Na und?
Man muss Ecken und Kanten nicht abschleifen, damit man sich daran nicht stößt. Man kann auch einfach damit leben, denn nur das macht das Leben aus – das Zusammenleben! Das Zauberwort heißt Kompromiss und davon wird man ab der ersten gemeinsamen Sekunde unzählige schließen müssen und wollen. Man zieht schließlich nicht zusammen, obwohl man ist wie man ist, sondern weil man so ist.
Also traut Euch, seid mutig! Nehmt Anlauf und springt ins kalte Wasser!
- Franziska Strothe

