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Wenn einer eine Reise tut…
Wir Deutschen sind ein mobiles, unternehmenslustiges Volk. Wir lieben es, den Urlaub in einem anderen Land zu verbringen, um zu relaxen oder Neues zu erkunden. Und da Liebe bekanntlich keine Grenzen kennt, kommt es immer wieder vor, dass ein Reisender in einem anderen Land seiner Traumfrau oder seinem Traummann begegnet.
Sebastian ist einer von ihnen: Er hat sich während seines Urlaubes in Westaustralien Hals über Kopf in die Australierin Kim verliebt. Auch bei Kim ist es Liebe auf den ersten Blick. Verständigungsprobleme haben die beiden vorerst keine, obwohl Kim nur englisch spricht.
Sebastian setzt sein Schulenglisch so oft und so gut wie möglich ein. Und bei frisch Verliebten bedarf es oft sowieso keiner Worte, wenn der Puls rast, die Augen funkeln und sich die Hormone selbstständig machen.
Die erste Zeit des Kennenlernens verläuft gut, die Zuneigung wächst. Kulturelle Unterschiede sind für Sebastian und Kim kein Hindernis, sondern eine gute Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern.
Die Verliebten wollen ihre Beziehung auch nach dem Urlaub vertiefen. Durch die Liebe seines Lebens motiviert, fasst Sebastian einen Entschluss: Er wird nach seiner Rückkehr nach Deutschland alles Notwendige für einen längeren Aufenthalt in Australien vorbereiten.
Die Wochen, in denen sie Tausende von Kilometern voneinander getrennt sind, wird zur Geduldsprobe. Durch unzählige Chats und Updates über Skype und Facebook fällt Sebastian und Kim die Wartezeit jedoch ein wenig einfacher. Einen Englisch-Deutsch-Übersetzer brauchen die zwei frisch Verliebten für ihre online-Updates nicht, zumal beide fleißig die Sprache des Partners lernen.
Nach einer scheinbar nie enden wollenden Zeit – faktisch waren es aber nur sechs Wochen – halten sich Sebastian und Kim wieder in den Armen und der Ernst des Lebens kann beginnen.
Kim arbeitet weiterhin als Designerin, Sebastian versucht es erst mal mit Gelegenheitsjobs.
Nach nur zwei Monaten wird für beide abermals klar, dass die Liebe größer ist als Sebastians Heimweh oder ihre Sprachunterschiede. Geht es aber um typische Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau, kann auch ein professioneller Übersetzer nicht helfen. Diese geschlechterspezifische Differenzen sind zwischen zwei deutschen Partnern ebenso häufig wie bei Sebastian und Kim.
Das Paar meistert auch diese Herausforderung gekonnt und Sebastian beschließt, sich nun fix in Australien niederzulassen.
Dafür benötigt er vorerst ein adäquates Visum um in Folge eine permanente Aufenthaltsgenehmigung, die heiß begehrte „Permanent Residency“, zu erlangen. Wer diese Prozedur schon mal durchgemacht hat, weiß, wie viel Papierkram und Behördengänge dahinter stecken. Hier reichen auch die mittlerweile sehr guten Englischkenntnisse von Sebastian nicht aus. Er muss ein Übersetzungsagentur engagieren, um von einem Fachübersetzer Staatsbürgerschaftsnachweis, Geburtskurkunde und weitere wichtige Dokumente ins Englische übersetzen und beglaubigen zu lassen.
Von seiner deutschen Staatsbürgerschaft will sich Sebastian vorerst aber dennoch nicht trennen, denn sein Herz schlägt nicht nur für Kim, sondern auch nach wie vor für seine Heimat Deutschland. „No worries“ würde ein Australier sagen, denn der Wahlaustralier kann seine Staatsbürgerschaft behalten und gleichzeitig für die nächsten Jahre sein Leben mit Kim in Down Under genießen. Und wie geht es weiter, wenn die erste Frist der Aufenthaltsbewilligung abgelaufen ist? Auch darauf antwortet Sebastian bereits wie ein eingefleischter Australier: „We cross this bridge when we are there“ – darüber machen wir uns erst Gedanken, wenn es so weit ist.

