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Küssen mit Folgen – der Knutschfleck
Irgendwo zwischen Trophäe und Tabu, da liegt er – der sagenumwobene Knutschfleck. “… so ein Fleck hat nur den einen Zweck, der Knutschfleck bleibt und du bist weg.” Damit lag Ixi 1983 zwar nicht ganz richtig, trotzdem gehört ihre Ode ans Knutschen zu den größten Hits der Neuen Deutschen Welle.
Besonders in jungen Jahren gilt der Knutschfleck an Hals, Nacken oder Innenseite Oberschenkel als besonders inniger Liebesbeweis, als sichtbare Erinnerung an eine wilde Knutscherei. Weniger romantisch ist der Knutschfleck aus medizinischer Sicht: Er ist nichts anderes als ein “blauer Fleck”, ein Hämatom, das bis zu einer Woche halten kann. Dabei ändert der Liebesbeweis seine Farbe von Dunkellila über Grün bis zu Gelb.
Durch das starke Saugen mit den Lippen entsteht in der Haut ein Unterdruck – rote Blutkörperchen werden aus den Gefäßen gesogen und treten ins Hautgewebe ein. Dadurch entsteht die typische rote Punktstruktur. In schwereren Fällen platzen sogar kleine Äderchen und das Blut muss sich im umliegenden Gewebe verteilen. Dies lässt die Haut erst rötlich schimmern, dann gerinnt das Blut und es entsteht ein Lila Knutschfleck. Es gilt: Je länger man saugt, desto intensiver wird das Resultat.
Es dauert etwa eine Woche, bis sich die Haut wieder regeneriert. In der Zwischenzeit versucht der Körper das geronnene Blut abzutransportieren. Enzyme spalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin: Übrig bleibt das gelb-braune Bilirubin, das vom Blut aufgenommen und schließlich über die Nieren ausgeschieden wird.
Wie bekommt man nun so einen Knutschfleck, auf Englisch “Love-Bite”, schnellstmöglich wieder weg? Das bekannteste Mittel ist wohl ein handelsüblicher Rollkragenpullover – alternativ hilft auch der Griff ins Schminktäschchen. Neben Make-up und Schal kann auch der Besuch einer Apotheke helfen – heparinhaltige Salben unterstützen die Auflösung des geronnenen Blutes.
Knutschfleck-Gefahr hin oder her: Küssen ist schön und macht sogar süchtig. Denn die Drüsen der Lippen erzeugen Botenstoffe, die das Begehren steigern und zusätzlich anregen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein Mensch durchschnittlich zwei Wochen in seinem Leben mit Küssen verbringt. Und gesund ist die Knutscherei auch noch – laut einer Studie leben Menschen, die oft und gerne küssen, bis zu 5 Jahre länger. Beim Küssen wird außerdem das Glückshormon Serotonin freigesetzt, das uns ausgeglichener und gelöster macht. Zudem stärkt der Austausch von Schmatzern die Abwehrkräfte und schützt vor Karies. Knutschen ist auch von der sportlicher Seite her betrachtet effektiv: Eine Minute küssen verbrennt bis zu 20 Kalorien. Übrigens: Knutschflecke sind auch künstlerisch wertvoll
- Franziska Strothe -

