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Casual Dating – Freundschaft mit Schmetterlingen
Liebe ist es nicht, nein. Aber es dreht sich auch nicht nur um Sex. Zeit miteinander verbringen, ins Kino gehen, zusammen kochen… Eine Beziehung?? Nein, das auf gar keinen Fall!
Fragt man jemanden, der grade mittendrin im Dschungel der Bezeichnungen, im Wahnsinn der Allüren, im Chaos der Grenzen steckt, was zwischen ihm und ihr oder ihr und ihm läuft, liefern die Antworten ein diffuses „Von allem etwas!“. Man kennt sich vielleicht von der Arbeit, trifft sich ab und zu mit Kollegen – oder auch mal nur zu zweit – und von Zeit zu Zeit landet man miteinander im Bett. Weil die Stimmung grade passt. Weil er so gut riecht. Weil es nichts zwischen ihnen ändert. Und vor allem: Weil ich will! Man ist nur befreundet und der Sex passiert halt.. irgendwie.
Wie so oft, wenn ein Phänomen das Trend-Etikett verliehen bekommt, ist schon eine beachtliche Zahl von Leuten an Bord – ein Großteil wahrscheinlich, ohne es tatsächlich zu wissen. Das Kind hat seit neuestem einen Namen: Casual Dating! Auf Deutsch hört sich das ganze dann schon etwas nüchterner an: Freundschaft plus. Klingt ein bisschen schäbig und drückt auch gar nicht so richtig die Lebensart aus, die angeblich dahinter stecken soll. Hmpf. Also bleiben wir beim Casual Dating.
Lässiger Sex also. In der Theorie soll uns das mehr Nähe und Vertrauen als ein One-Night-Stand bringen, die Gefühlstiefe einer echten Beziehung aber ersparen. Manchmal soll sich zu dem Buddy-Faktor für einen Moment ein Funken Leidenschaft gesellen – und ist der Funke erloschen, der BH wieder zu und das Laken gewechselt, kehrt man einfach schnell zum Kumpelsein zurück. Wie gesagt, so weit die Theorie.
Aber jetzt mal ehrlich. Kann es wirklich sein, dass ein Mann und eine Frau gleich wenig Interesse an einer Beziehung und gleich viel Spaß an zwanglosem Sex haben? Fragt sich nicht immer zumindest einer von beiden, was wäre wenn…? Kann man den „Du gehörst mir“-Reflex zuverlässig ausschalten?
Machen wir uns nichts vor. Das Modell Casual Dating ist längst nicht für jeden geeignet – wer Gefühle mitbringt, hat von vornherein die schlechteren Karten, denn der Grad zwischen Sympathie und Schmetterlingen im Bauch ist gefährlich schmal. Man braucht die richtige Einstellung und ganz klare Grenzen, die man absteckt, bevor es zu spät ist. Leichter gesagt als getan, aber wenn sich beide Seiten einig werden und gemeinsam „bis hierhin und nicht weiter“-Linien finden, dann kann das System funktionieren – frei nach dem Motto: Nichts muss, alles kann.
Sieht ganz so aus, als ob sich nicht die Sehnsüchte ändern, sondern nur die Möglichkeiten. Sex, bei dem Liebe keine Rolle spielt. Trotzdem eine Schulter zum Anlehnen. Und das alles in einer Person – aber nur dann, wenn ich Lust habe.
Lässt man sich auf eine Freundschaft plus ein, heißt das noch lange nicht, dass man dem Traum von der großen Liebe abgeschrieben hat – man hat ihn viel mehr aufgeschoben. Casual Sex ist die Win-Win-Situation für zwischendurch. Bis zur nächsten Beziehung und nicht als Dauerlösung.
- Franziska Strothe -

