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Die zweite Chance für flüchtige Flirts
In den USA und Frankreich gibt es sie schon: Verschiedene Websites, die Verliebten dabei helfen, ihren flüchtigen Flirt wiederzufinden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) machen es für Deutschland vor, denn wer seine erste Chance verpasst hat, bekommt auf dem Online-Portal der BVG nun eine zweite Chance.
„Du (w) mit schwarzem Mantel und lilafarbenen Chucks stiegst am Görlitzer Bahnhof aus, ich (m) mit Notebook auf dem Schoß, hellblauer Jeans, dunklen Haaren und gerade ganz schön viel Bart im Gesicht fuhr weiter in Richtung Warschauer Straße. Während der Fahrt haben wir uns ein paar Mal angelächelt, du hast bei mir für reichlich Herzklopfen gesorgt. Hat es auch bei dir geknistert?“, fragt ein Berliner Großstadtjunge. In diesem Fall handelt es sich um eine Kontaktanzeige im Internet, mit der sich „Illusionär“ an die Fremde aus der „U1“ wendet. So wie ihm ergeht es jeden Tag Millionen anderer Menschen. Doch bevor man den Mut fasst nach dem Namen zu fragen oder es zu einem Gespräch kommt, ist dieser flüchtige Moment auch schon verstrichen.
Wer selbst einmal im Bus, Supermarkt oder auf der Straße eine ähnliche Situation erlebt hat, sich jedoch in diesem Moment nicht getraut ha,t den Menschen anzusprechen, denkt manchmal lange daran zurück. Um sie oder ihn noch einmal zu treffen, wird der Ort der Begegnung wie zum Beispiel der Supermarkt erneut aufgesucht oder man fährt zu derselben Uhrzeit mit dem Bus. Ein erneutes Wiedersehen bleibt aber mehr oder minder dem Zufall überlassen.
Die BVG stellt ihren Fahrgästen eine Online-Plattform namens „Augenblicke“ zur Verfügung, die speziell für diese flüchtigen Begegnungen konzipiert ist. Dort können schüchterne Hauptstädter ihrer Bus- oder Bahnbekanntschaft Nachrichten hinterlassen, die beschreiben, wie beide an diesem Tag ausgesehen haben und wie der Moment des Zusammentreffens war. Diese Augenblicke können für alle eingesehen werden, doch der Name des Verfassers bleibt ein Pseudonym und nur er bekommt die Antworten zugeschickt. Die Anzeigen kann allerdings jeder auch ohne Anmeldung lesen. Darunter sind oft Anekdoten wie beispielsweise folgende: „Hallo hübsche Unbekannte, du hattest am Donnerstagabend das zweifelhafte Glück, dass dir ein Arbeiter mit Bierflasche in der Hand beim Einschlafen sein Bier übergekippt hat. Ich hatte das Glück neben Dir zu sitzen und als Du vor Schreck geschrien hast, hast du Dich an mich geklammert, mich aus meiner Lesetrance gebracht und mich angelacht. Musste gleich 2 Stationen später am Mehringdamm wieder raus und habe Dich leider leider nicht weiter angesprochen (Du erschienst mir etwas ungehalten aufgrund des Vorfalls
). Wenn du dich an den Typen im grauen Freizeitsakko und blauer Hose neben Dir erinnern kannst und Du dies hier tatsächlich lesen solltest, dann schreib mir doch bitte. Ich würde mich freuen“.
Auf Internetseiten wie www.craigslist.com können sich Menschen in der Rubrik „Verpasste Gelegenheiten“ suchen und finden und zwar in über 50 Ländern. In Frankreich ist das Angebot nicht nur auf öffentliche Verkehrsmittel beschränkt, sondern bezieht alle öffentlichen Plätze ein, beispielsweise auch den Supermarkt, die Bibliothek oder Parks.
- Yvonne Förster -


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